Geliebte Maschine

20, Aug, 2016 | Fahren | 0 Kommentare

Was eine Mensch-Maschine-Schnittstelle ist, lässt sich immer noch am einfachsten erklären, indem man «Knight Rider» vorführt. In der berühmten 80er-Jahre-Fernsehserie unterhält sich die Hauptfigur – gespielt von David Hasselhoff – mit seinem Auto KITT wie mit einem guten Kumpel. KITT plaudert zurück, reagiert menschlich virtuos auf alle Nöte des Besitzers, findet im Selbstfahrmodus jedes Ziel. Und hat zu allem Überfluss einen Geldautomaten an Bord, der Dollarscheine ausspuckt.

Was sagt der Reality Check? Rund 30 Jahre später ist eine Menge der alten Special Effects längst serienreif. Sprachsteuerung und diverse Assistenzsysteme gehören zu den Standards neuer Auto-Generationen. Autonomes Fahren kann man im Testlauf auf kalifornischen Strassen erleben. Noch besser: Manche Extras von 2016 übersteigen alles, was man in den Achtzigern zusammenfantasiert hatte. Der Volkswagen BUDD-e zum Beispiel, die zuletzt auf der Technologiemesse CES in Las Vegas präsentierte e-Studie, erlaubt unter anderem von unterwegs den Zugriff auf fast alle Funktionen eines Smart-Home-Netzwerks. Vom Auto aus die heimische Heizung regeln oder nachschauen, ob genug Limonade im Kühlschrank ist – das konnte nicht mal KITT.

Dafür steht HMI: Human-Machine Interface. Einer der aufregendsten Aspekte der gerade stattfindenden Zeitenwende hin zur e-Mobilität, zum elektrischen, vernetzten Fahren. Dass unsere Autos immer mehr Features bekommen, dass sie plötzlich sogar zu Knotenpunkten in unserem privaten Kommunikationsnetzwerk werden – davon profitieren wir als Nutzer. Bleibt die Frage: Verlieren wir dabei nicht irgendwann den Überblick? Wie bedienen wir ein so komplexes Fahrzeug – ohne dabei vom Strassenverkehr abgelenkt zu werden?

Das ist, stark verkürzt, der Job von Astrid Kassner, HMI-Entwicklerin bei Volkswagen und ihrem Team: sicherzustellen, dass wir mit dem Auto der Zukunft so mühelos und intuitiv klarkommen wie mit einem wirklich guten Smartphone.

Einer der Hauptunterschiede zum alten Auto-HMI: Während früher das sogenannte Kombi-Instrument (also Anzeigefenster wie Tacho, Tankanzeige und so weiter), die Lenkradhebel und das Infotainmentsystem strikt fixierte, voneinander getrennte Welten waren, wurden sie auf den drei digitalen Fahrer-Displays des BUDD-e zusammengeführt. Ähnlichkeiten zum innovativen Bedienfeld der Studie Golf R Touch sind kein Zufall – allerdings ist der Ansatz beim BUDD-e noch ganzheitlicher: Was in einem bestimmten Fahrtmoment Priorität hat (sei es Navi, Ladezustand der Batterie, Telefonanzeige oder Radio), soll ins zentrale Blickfeld gerückt werden – und danach wieder hinaus. Zusatzpunkt: Auch für die Passagiere auf den hinteren Plätzen gibt es Interaktionsmöglichkeiten

Einzelne Komponenten der sensationellen HMI des BUDD-e könnten frühestens 2019 in serienreifen Autos verbaut werden. Bis dahin wird das Team die Ideen schon wieder weitergetrieben haben: Der potenzielle Funktionsumfang, die Infodichte im idealen e-Fahrzeug wird weiter zunehmen. Dank neuer Display-Technologie verschmelzen Einzelscreens bald zu immer grösseren Flächen – während manche Informationen bald ganz von den klassischen Bildschirmen verschwinden und via Augmented-Reality-Optik direkt auf die Umgebung projiziert werden.

«Eines muss man bei allen Zukunftsvisionen bedenken», sagt HMI-Expertin Astrid Kassner. «Die Technik darf den Fahrer niemals einschüchtern. Sie sollte nicht nur leicht zu bedienen sein – sondern auch Spass machen.» Die Beziehung zwischen Auto und Fahrer wird wohl enger werden, als wir es uns heute vorstellen. Aber dass Menschen ihre Telefone mit ins Bett nehmen – das hätte 1985 ja auch keiner geglaubt.

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