Ich freue mich über jede gelungene Prüfung

12, Aug, 2016 | Erleben | 0 Kommentare

Marianne Locher (55) macht Fahrschüler fit für die Prüfung. Und das schon seit 30 Jahren. Ihr Markenzeichen, der weisse Golf, ist in der ganzen Region Zürich bekannt.

«Mein Vater fuhr einen Käfer. Darum war ich mit Volkswagen schon immer verbunden. Zu meinem ersten Auto, einem Golf, hat mir mein Cousin verholfen. Er machte die Lehre bei der Amag Utoquai. Ich habe die ganze Entwicklung miterlebt, bin jeden Golf gefahren – vom I bis zum VII. Der aktuelle ist mein zwanzigster Golf.

Gearbeitet habe ich ursprünglich bei einer Bank. Doch der Job füllte mich nicht aus. Ich wollte lieber Autorennen fahren. Das habe ich dann auch getan. Aber ohne Sponsorengelder überlebt man in diesem Sport nicht lange. Dementsprechend kurz war meine Karriere. So entstand die Idee mit der Fahrschule 2000, die ich 1986 gründete. Damals war das ein futuristischer Name.

Der Golf ist das ideale Lern-Auto. Er ist kompakt und weitgehend mackenfrei. Und er ist ein Wagen, den sich die Schüler auch leisten können. Meine Kundschaft besteht zu 70 Prozent aus Junglenkern. Der Rest sind Senioren und Menschen, die von Ärzten weiterempfohlen werden. Letztere sind eher anspruchsvolle Fälle. Ich beobachte, dass sich die Alterskurve immer mehr nach hinten verschiebt. Die Rentner wollen mobil bleiben. Viele melden sich bei mir an, damit ich ihre Fahrtüchtigkeit teste. Mein ältester Kunde ist 92 Jahre alt.

Die Verbindung zu meinen Fahrschülern ist recht persönlich. Für einige werde ich zu einer Art Mami, für andere zur Psychiaterin. Ich spüre sofort, wenn sie etwas bedrückt. Doch bevor die Tränen fliessen, fahren wir rechts ran. Geht es um die Anmeldung zur Fahrprüfung, versuche ich, alle möglichen Ablenkungen miteinzukalkulieren – auch Vollmond oder Heuschnupfen.

Die Schüler in den 80er-Jahren und die heutzutage sind sehr verschieden. Früher sparte man erst 2000 Franken, dann meldete man sich bei einer Fahrschule an. Heute legt keiner mehr etwas beiseite, das Geld ist immer knapp. Ausserdem hat die Smartphone-Generation weniger Geduld. Die jungen Menschen können sich auch schlechter konzentrieren. Aber etwas, das sich nie ändert, ist die Euphorie nach der bestandenen Prüfung. Und ich darf mich jedes Mal mitfreuen – das ist ein tolles Gefühl.»

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