Mein Auto fährt mit Strom vom Dach

16, Dec, 2016 | Erleben | 0 Kommentare

Ob gefahrene Kilometer, Verbrauch oder Ladezeiten: Kurt Hug (66) protokolliert alles. Seine Fahrten rund um Le Landeron (NE) kosten den ehemaligen Elektroingenieur keinen Rappen – weil sein Golf GTE mit eigenem Solarstrom läuft.

«Elektronik hat mich mein ganzes Berufsleben lang fasziniert. Als Professor für Automotiv-Elektronik an der Berner Fachhochschule Technik und Informatik entwickelte ich mit meinem Team unter anderem Crashrekorder für Motorräder und wir entwarfen selbstfahrende Kleintraktoren. Seit 2015 bin ich pensioniert, aber ich gebe gelegentlich noch Kurse und bin im Vorstand von e’mobile, der Fachorganisation für Elektrofahrzeuge von Electrosuisse.

Meinen Golf GTE mit Plug-In-Hybridantrieb fahre ich seit diesem März. Der Clou dabei: Die Batterie lade ich mit Strom von unserem Dach. Dort habe ich 100 Quadratmeter Solarzellen installiert, die an einem Spitzentag bis zu 80 Kilowattstunden Energie produzieren. Das Auto kopple ich an eine normale Haushaltssteckdose mit 220 Volt – und nach vier bis fünf Stunden ist es vollgeladen. Was mir jetzt noch fehlt, ist eine lokale Speicherbatterie, damit ich auch nachts meinen eigenen Strom verwenden kann.

Passfahrten oder lange Distanzen sind mit dem Golf GTE kein Problem. Denn ist die Batterie leer, schaltet sich automatisch und ruckfrei der Benzinmotor dazu. Und fahre ich beispielsweise den Simplon runter, so stehen nach der Abfahrt wieder zusätzliche, durch Rekuperation gewonnene 25 Kilometer zur Verfügung. Rund um Le Landeron bin ich aber rein elektrisch unterwegs – mit allen Komfortfunktionen wie Klimaanlage oder Heizung schaffe ich im Sommer eine Reichweite von rund 44 Kilometern, im Winter weniger. Tanken muss ich deshalb nur selten. Der Durchschnittsverbrauch liegt bisher bei 4,2 Litern Benzin pro 100 Kilometer, was für ein Auto mit der Leistung eines Golf GTI und dem gefahrenen Mix ein sehr guter Wert ist.

Am elektrischen Fahren gefällt mir auch die Car-Net App von Volkswagen: Sie zeigt mir unter anderem, wo mein Golf steht. Diebe haben so keine Chance. Und ich kann von meinem Handy oder Tablet aus den Ladevorgang der Lithium-Ionen-Batterie starten und den Ladezustand einsehen. Das empfinde ich als äusserst praktisch. Ausserdem habe ich Zugriff auf alle persönlichen Fahrdaten, inklusive Wegstrecken, Geschwindigkeiten und Verbrauch. Diese Informationen sammle ich alle und werte sie in einer Excel-Liste aus.

Mein erstes Auto war bereits ein VW: 1972 kaufte ich für 100 Franken einen goldenen Käfer. Mit ihm fuhr ich Anfang 20 immer ans Technikum nach Winterthur. 2004 habe ich mir einen Touran angeschafft – und mit ihm 250 000 Kilometer ohne jegliche Probleme zurückgelegt.»

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