Zahnarzt auf Achse.

12, Aug, 2016 | Erleben | 0 Kommentare

Am Gotthardpass ist seit Anfang Jahr der erste mobile Zahnarzt der Schweiz unterwegs. Michael Keller (34) behandelt die Patienten bei ihnen zu Hause – und in seiner umgebauten Praxis auf vier Rädern.

«Ich bin ein waschechter Luzerner. Aber da meine Grossmutter am Gotthardpass wohnte, verbrachte ich als Kind dort oft die Ferien. Damals verliebte ich mich in diese Region. Dass ich dort mal selber leben möchte, war für mich schon lange klar. Die Frage war nur – als was?

Nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zum Zahnmediziner bin ich viel gereist. In Südamerika fielen mir die mobilen Kliniken auf. Bei meinen Recherchen stellte sich heraus, dass es so etwas in der Schweiz nicht gibt. Also habe ich Konzept und Businessplan ausgearbeitet. Meine Hauptklientel sollten betagte Menschen sein, weil in Heimen eine Unterversorgung im zahnmedizinischen Bereich herrscht.

Dann habe ich einen T5 Transporter gekauft und für rund 100 000 Franken ausbauen lassen. Meine Verlobte hat das Ganze mitfinanziert. Damit alles den Hygienevorschriften entspricht, habe ich eng mit der Kantonsapotheke Schwyz zusammengearbeitet. Jetzt ist der VW Bus in vier Sektoren unterteilt: Fahrerkabine, Materialausgabe, Sterilisationskammer und Behandlungsraum. Viele Hilfsmittel wie Beleuchtung, Röntgengerät oder Ultraschall sind strombetrieben, was bedingt, dass ich den Bus immer in der Nähe einer Steckdose parkieren muss.

Ob ich selber Angst vor dem Zahnarzt habe? Ja, das ist so. Darum achte ich sehr darauf, dass meine Zähne gesund bleiben. Ich weiss, dass sich viele Menschen vor uns Zahnärzten fürchten. Doch vor mir und meinen Geräten muss niemand Angst haben: Ich habe eine Zusatzausbildung als Hypnotherapeut und bin spezialisiert auf Angstpatienten.

Mein Projekt ‹Zahnarzt auf Achse› war von Anfang an ein Selbstläufer. Ich habe nie Werbung gemacht. Die Leute haben den Bus gesehen und mich angerufen. Doch mein Wirkungskreis ist klar auf den Kanton Uri begrenzt. Ausserdem nehme ich selten mehr als zwei Klienten pro Tag an. Denn Zeit für mich selber zu haben, empfinde ich als den grössten Reichtum. Wenn ich nicht arbeite, kümmere ich mich um den Garten oder engagiere mich im Gemeinderat.

Ich hoffe, dass meine Idee Schule macht. Weil ich meine Erfahrungen gerne an andere Zahnmediziner weitergeben würde. Darum mein Aufruf an alle Wagemutigen: Meldet euch und wir sorgen für eine gesündere Schweiz!»

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