Auf der Rennstrecke | Volkswagen Blog

Auf der Rennstrecke

Mrz 20, 2019 | Driving Experience

Als Rennwagen sorgt der Golf GTI TCR auf den Rundkursen für Furore. Nun gibt es ein gleichnamiges Sondermodell für die Strasse, das äusserlich zwar gemässigter daherkommt, dem Racer ansonsten aber kaum nachsteht. Ich durfte beide auf der ultraschnellen Rennstrecke in Portimão im Süden von Portugal testfahren und es hat so richtig Spass gemacht.

5 Uhr morgens an einem frostigen Wintertag am Flughafen Zürich. Geschäftsreisende eilen durch die Gänge, aus einigen Ecken riecht es nach frischen Croissants. Mich erwarten in wenigen Stunden 18 Grad Celsius und der brandneue Golf GTI TCR in Portugal. Das Zusatzkürzel TCR stammt von der gleichnamigen Rennserie, in der Volkswagen auf Titeljagd geht. Während der Renn-GTI zu über 60 Prozent aus Serienteilen besteht, gibt es nun umgekehrt eine Strassenversion, die Elemente aus dem Motorsport aufnimmt.
Und schon die ersten Kurven auf den Strassen Portugals machen klar: Der Serien-TCR meint es ernst. Die Lenkung ist spürbar präziser als bei einem herkömmlichen GTI, auch die Fahrwerksabstimmung wurde nochmals überarbeitet. Das optionale Wabenmuster an der Seite und ein markanter Diffusor am Heck zeichnen das neue Topmodell der GTI-Reihe optisch aus. Im Innenraum glänzt ein Sportlederlenkrad mit Locheinsätzen und roter 12-Uhr-Markierung. Die Sportsitze erhielten ein neues Design mit roten Ziernähten, die perfekt mit den Türverkleidungen und dem Gangwählhebel harmonieren.

Spürbares Leistungsplus

Der 2.0-TSI-Motor leistet im GTI TCR 290 PS. Im Vergleich zu einem GTI Performance ist das ein spürbares Plus von 45 PS. Das Drehmoment liegt bei 380 Nm und lässt den TCR in nur 5,6 Sekunden auf Tempo 100 sprinten – der GTI Performance benötigt 0,6 Sekunden länger.
Für eine rasche Verzögerung sorgt die grosse Bremsanlage aus dem Golf R mit gelochten Bremsscheiben. Da sich all dies auf öffentlichen Strassen kaum legal testen lässt, fahren wir nach Portimão. Die Rennstrecke «Internacional do Algarve» ist perfekt geeignet, um dem GTI TCR die letzten Reserven zu entlocken. Ein wunderbarer Mix aus schnellen Kurven und engen Spitzkehren, gepaart mit einer anspruchsvollen Topographie. Nach einer Einführungsrunde beginnt der Instruktor langsam das Tempo zu erhöhen. Auf der langen Start-Ziel-Geraden erreichen wir locker Tempo 220 km/h und müssen das Heck beim folgenden Bremsmanöver stabil halten. In der nächsten Spitzkehre kann die mechanische Sperre zeigen, wie gut sie die Kraft auf die Strasse bringt. Deutlich spürbar: Die Ingenieure haben dem TCR das Untersteuern ausgetrieben und stattdessen das Heck aktiv zum Leben erweckt.
Volkswagen hat aber nicht nur die Strassenversion des TCR mitgebracht, sondern auch das Arbeitsgerät von Jasmin Preisig. Die schnelle Appenzellerin pilotiert dieses Jahr einen Golf GTI TCR Rennwagen in einem «Girls only»-Team. Die Besonderheit: Nicht nur die Fahrerinnen sind weiblich, sondern das komplette Team besteht ausschliesslich aus Frauen. Von der Teamchefin über die Ingenieurinnen bis zu den Mechatronikerinnen.

Instruktionen von der Rennfahrerin

Jasmin Preisig gibt uns vor der Testfahrt mit ihrem Rennstrecken-GTI einen technischen Überblick. Das Basistriebwerk ist ebenfalls ein 2.0 TSI, leistet hier aber 350 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 420 Nm. Optisch ist der Rennwagen kaum mit der Strassenversion zu vergleichen – mit einer 15 Zentimeter breiteren Karosserie, einem übergrossen und einstellbaren Heckflügel sowie Kotflügeln mit speziellen Konturen und Öffnungen.

Die Strecke ist noch etwas feucht, meine Hände in den Handschuhen auch. Eine mächtige Soundkulisse, bestehend aus den ungefilterten Motorengeräuschen, dem lauten Summen des sequenziellen Getriebes und den Abrollgeräuschen der Slicks, die sich in den Asphalt krallen, begleitet mich auf meinen Runden. Die Leichtigkeit des TCR-Rennwagens, zusammen mit der optimierten Aufhängung, der breiteren Spur und den Aerodynamik- Massnahmen, sorgen für ein messerscharfes Handling. In Kombination mit den heftig zubeissenden Bremsen entsteht eine transparente Verbundenheit zwischen Fahrer und Fahrzeug, die so bei einem Strassenauto nicht zu finden ist.

Zurück in der Boxengasse, zwischen dem Sondermodell und dem Rennwagen stehend, bleibt ein rundum positiver Eindruck.

Volkswagen ist es mit dem Golf GTI TCR gelungen, die Motorsport-Gene in die Strassenversion zu übertragen – ohne an Alltagstauglichkeit zu verlieren oder die Emotionen abzuschwächen.

Der Autor Luca Fiorito aus Schaffhausen liebt sportliche Automobile und schreibt regelmässig für den schnellsten Schweizer Autoblog: OneMoreLap.com

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