Bis auf das letzte Watt: Reichweitenrekord mit dem ID.3 | Volkswagen Blog

Bis auf das letzte Watt: Reichweitenrekord mit dem ID.3

Aug 20, 2020 | Driving Experience, E-Mobility

Der Zuger Felix Egolf ist ein Hypermiler. So nennen sich die Testfahrer, die aus Autos den letzten Kilometer an Reichweite rauskitzeln. Den neuen ID.3 fuhr er vom VW Werk in Zwickau bis nach Schaffhausen – und übertraf damit den offiziellen WLTP-Wert um mehr als 25 Prozent.

Grau waren einige der 25 VW Käfer, die als erste Import-Volkswagen vor gut 72 Jahren auf eigener Achse via Lörrach in die Schweiz rollten. Mangangrau ist auch der erste ID.3 für die AMAG, den ich persönlich im Werk in Zwickau abholen darf. Das neue, innovative E-Auto von Volkswagen soll mit einer einzigen Akku-Ladung nach Schaffhausen fahren – über 530 Kilometer weit, obwohl die offizielle Reichweite mit der 58-kWh-Batterie gemäss WLTP «nur» bei 420 Kilometern liegt.

Rekordversuch mit Gewichts-Handicap

Am Vorabend der Fahrt lade ich den ID.3 an der Solar-Tankstelle im Werk Zwickau auf hundert Prozent auf. 14 Kilometer später steht das Auto in der Hotel-Garage, um am nächsten Morgen mit einem Akkustand von 98 Prozent die lange Fahrt in die Schweiz in Angriff zu nehmen. Dies tun wir mit einem stattlichen Gewichts-Handicap. Denn mit meinem Beifahrer, dem Fotografen Dominique Zahnd, dessen Ausrüstung und unserem Gepäck liegen wir rund 170 Kilogramm über der offiziellen Gewichtsangabe.

Um fünf Uhr morgens geht es los. Rasch liegt die erwachende, viertgrösste Stadt des deutschen Bundeslands Sachsen hinter uns und wir fahren auf der noch fast leeren Vogtland-Autobahn (A72) Richtung Pirk. Bei Kilometer 87, im bayerischen Hof, sind bereits 19 Prozent der Batterie verstromert. Der ID.3 meldet eine Reichweite von 346 Kilometern. Doch unser Ziel ist noch 444 Kilometer entfernt …

Der ID.3 beschleunigt jetähnlich

Der erste Fahreindruck: Das Auto wirkt wie aus einem Guss, ist kompakt und trotzdem geräumig, hat ein cooles, fast schon futuristisches Design und bietet der Luft wenig Widerstand. Das Cockpit mit dem leicht zum Fahrer geneigten, grossen Bedienungs-Screen wirkt schlicht und funktionell. Die 204 PS des E-Motors an der Hinterachse schieben praktisch geräuschlos und jetähnlich an. Aus der neuen E-Plattform, dem MEB, resultiert ein verblüffend geringer Wendekreis, und mit den Efficient-Grip-Reifen (215/55R18) von Goodyear sind nicht nur Strassenlage und Kurvenverhalten, sondern auch die Rolleigenschaften vorbildlich.

Auf der dreispurigen A9 – einer der längsten Autobahnen Deutschlands – verbleiben wir rund 100 Minuten lang. Sudöstlich von Nürnberg, in Haag, ist die Batterie nach 239 Kilometern mit 52 Prozent noch gut halb voll und das Reichweiten-Defizit zu unserem Fahrziel schmilzt auf 41 Kilometer. Kurz nach Ulm, nach fast 400 Kilometern, können wir endlich aufatmen: Die Restreichweite entspricht erstmals der Distanz zur AMAG Schaffhausen. Doch das stetige Auf und Ab im schwäbischen Hügelland lässt auch die Reichweiten-Anzeige schwanken. Und so sind wir erst in Stockach sicher, dass wir den ID.3 ohne Nachladen zumindest in den Kanton Schaffhausen stromern können.

E-Mobilität ist langstreckentauglich

Nach dem Passieren der Grenze in Thayngen steht das Erreichen des Fahrziels auf einmal wieder auf der Kippe. Doch wie heisst es so schön: Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Ein um zwanzig Prozent reduziertes Fahrtempo lässt uns auch die Anhöhe zur Schaffhauser Gemsgasse erklimmen, wo uns die Instrumente null Prozent Batterie und null Kilometer Reichweite anzeigen. Aber von dort geht’s praktisch nur noch bergab bis zur AMAG Filiale beim Bahnhof der Munotstadt. Nach 531 Kilometern kommen wir schliesslich mit nur einer Batterieladung am Ziel an – und übertreffen die offizielle Reichweite von 420 Kilometern um über 26 Prozent.

Die Daten der Rekordfahrt

Zurückgelegte Strecke: 531 km (WLTP um 26,4 % übertroffen)
Verbrauch: 58 kWh = 10.92 kWh/100 km (Benzinäquivalent: 1,25 l/100 km)
Fahrtdauer: 9,5 h
Durchschnittsgeschwindigkeit: 56 km/h
Strassenprofil: 44 % Autobahn, 56 % Überland- und Ortspassagen
Höhendifferenz: 140 m (Start 260 m/Ziel 400 m)
Beladung: 245 kg

Wie fährt ein Hypermiler?

– Eine vorausschauende Fahrweise mit häufigem Segeln sowie das Abschalten nicht zwingend nötiger Verbraucher begünstigt die Reichweite. Das heisst Navigationssystem und Lüftung laufen möglichst wenig.

– Speed kills Range! Auf der Autobahn passe ich mich dem Tempo der LKWs an. Wenn’s passt fahre ich hinter einem langsamen LKW mit einem Sicherheits-Mindestabstand von zwei Sekunden und profitiere vom Windschatten.

– Optimale Kreisel-Anfahrt: Vor dem Kreisel drehe ich den Automatik-Wählschalter von «D» auf «N». Jetzt segelt das Auto. Beim Annähern stelle ich wieder auf «D» zurück und baue mittels Rekuperation die überschüssige Energie sanft ab. Speziell beim ID.3: Vor Temporeduktionen und Kreiseln rekuperiert er selbstständig, also ohne Zutun des Fahrers.

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