„D’Rennfahreri“ auf Erfolgskurs – Jasmin Preisig im Porträt | Volkswagen Blog

„D’Rennfahreri“ auf Erfolgskurs – Jasmin Preisig im Porträt

Jul 18, 2019 | Motorsports

Trotz ihres jungen Alters kann die Schweizer Rennfahrerin Jasmin Preisig auf eine beachtliche Motorsportkarriere zurückblicken. Jetzt startet sie in einem Golf GTI TCR von Max Kruse Racing durch.

Je näher man dem Örtchen Schwellbrunn im Schweizer Kanton Appenzell Ausserrhoden kommt, desto klarer wird: Jasmin ist dort aufgewachsen, wo sich Hollywood-Regisseure die Inspiration für kitschige Filme suchen. Hier, in den Schweizer Alpen, sind die Berge hoch und das Gras grün. Und hier soll eine Rennfahrerin mit Kaliber herkommen?

Die Wurzel ihrer Karriere ist das Autohaus Preisig, das inmitten dieser grünen Idylle am Wegesrand einer Landstrasse steht. „Das Benzin im Blut habe ich von meinem Vater. Im Autohaus meiner Eltern bin ich quasi aufgewachsen“, sagt die sympathische Schweizerin. Weil Rundstreckenrennen in der Schweiz weitgehend verboten sind, nahm ihr Vater an örtlichen Bergrennen teil. Doch nachdem Jasmin und ihr Bruder auf die Welt gekommen waren, machte er Schluss damit. „Dann hat er Gokarts für meinen zwei Jahre jüngeren Bruder und mich gekauft, mit denen wir bald an Club-Meisterschaften teilgenommen haben.“ Zwischen 2003 und 2012 betrieben die Geschwister gemeinsam Kartsport. 2012 feierte Jasmin einen achten Rang bei der Kartsport-Weltmeisterschaft in der Kategorie Super Rok.

2014 sammelte sie dann erste Motorsporterfahrung auf Topniveau beim Scirocco R-Cup. Ihr Bruder beendete seine Rennsport-Karriere. „Er hatte nur Spass daran, sich mit mir zu messen, das Gedrängel im Auto hat ihn nicht interessiert“, sagt Jasmin. „Er ist aber Automechaniker geworden und fährt noch immer gern schnelle Autos – aber nicht auf der Rennstrecke.“ Anders als sie selbst: 2015 startete sie erstmals beim Opel Astra OPC-Cup bei den 4- und 6-Stunden-Rennen – mit Erfolg: Beim 4-Stunden-Rennen ergatterte sie eine Silbermedaille. 2015 fuhr sie den Opel-Cup bei der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring und erreichte den dritten Platz. 2018 fuhr sie auf den zweiten Platz in der TCR-Klasse und auf den zehnten Rang bei der TCR Germany.

Harte Arbeit zahlt sich aus

Doch eine solche Freizeitgestaltung kostet Geld und die Frage nach der Finanzierung stellte Jasmin und ihre Familie vor Herausforderungen. Schliesslich gehört die 27-Jährige zu jenen Rennfahrerinnen und Rennfahrern, die seit jeher hart arbeiten mussten, um sich das Wochenende im Auto zu verdienen. „Ich hatte immer schon Sponsoren, erst meine Familie und Bekannte, später Firmen aus dem Ort. Ab der Lehre musste ich aber mitzahlen“, erinnert sich die Rennfahrerin. Die machte sie bei der Stadt St. Gallen. „Wir konnten die Kosten immer irgendwie stemmen. Wenn die Familie ein Autohaus besitzt und man die Mechaniker an der Hand hat, spart man immerhin ein wenig Geld.“ Die elterliche Wohnung befindet sich bis heute im Obergeschoss des Autohauses, die Wege zur Werkstatt sind kurz.

Unter der Woche tauscht sie den Rennanzug gegen Bürokleidung und arbeitet bei der Ausgleichskasse des Kantons – im Winter Vollzeit, im Sommer 80 Prozent. So schafft sie sich den nötigen Freiraum, um die langen Rennwochenenden absolvieren zu können. Ihre Kollegin Deborah verrät: „Jasmin ist ein sehr sympathischer und hilfsbereiter Mensch. Wir drücken ihr immer die Daumen, wenn sie wieder unterwegs ist.“ Jasmin sagt: „Mein Arbeitgeber ist zum Glück sehr flexibel. Bei Rennen bin ich ab freitags weg, viele Volkswagen Events unter der Woche kommen dann noch dazu.“

Der Beginn einer großartigen Karriere

Denn mit Volkswagen ist sie seit 2018 wieder eng verbunden. Zuletzt fügte sie der Liste ihrer Erfolge mit dem „Girls only“-Team, das ausschließlich aus Frauen besteht, einen zweiten Platz beim ersten Lauf der VLN Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring in der SP3T-Klasse hinzu und fuhr im selben Atemzug die schnellste Runde. Beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring hatten Jasmin und ihre Teamkolleginnen weniger Glück: Ein schwerer Schaden am Kühler nach nur einer Stunde zwang das Team zu einem außerplanmäßigen zwölfstündigen Stopp. Dass ein gesamter Motortausch in dieser Zeit gelang, zeugt von Kampfgeist. Das Team rund um Jasmin Preisig konnte das Rennen immerhin beenden. „Ich bin sehr ehrgeizig. Das hilft natürlich im Rennalltag, aber du darfst dir auch nicht zu viel Druck machen.“

Ein glückliches Dorfkind

Zum Ausgleich verbringt die Kämpfernatur ihre Freizeit sehr häufig im Fitnessstudio: „Für Rennfahrer ist das unerlässlich. Mein Fitnessstudio liegt neben meiner Arbeitsstelle, meist versuche ich fünfmal die Woche vor der Arbeit dort hinzugehen“, sagt Jasmin. Das gibt ihr die nötige physische und psychische Kraft, um ihren aufregenden und abwechslungsreichen Alltag zu jonglieren. Auf ausgedehnte Besuche in der örtlichen Schänke oder in den Clubs von Zürich oder St. Gallen verzichtet sie in der Regel. Stattdessen geht sie lieber ins Kino. Den Urlaub verbringt Jasmin übrigens sehr gerne am Meer, als Abwechslung zum Paradies in den Schweizer Alpen. Doch aus Schwellbrunn wegziehen? Das kommt für sie nicht infrage. „Ich bin sehr heimatverbunden und freue mich, dass ich nur wenige Autominuten von meinen Eltern, meinem Bruder und meinen Großeltern entfernt wohne. In die Stadt zu ziehen kann ich mir nicht vorstellen.“

Hier in Schwellbrunn kennt man sich. Und so ist es kein Wunder, dass sie bei den selten gewordenen Besuchen beim örtlichen Metzger herzlich umarmt wird, begleitet von einem freudigen: „D’Rennfahreri …“ Denn wenn Jasmin kommt, geht die Sonne auf. Ihre positive Art und ihr Ehrgeiz bringen sie nicht nur im Dorf, sondern auch in der Motorsportkarriere stetig weiter. So ist es kein Wunder, dass das Team Max Kruse Racing einen weiteren Golf GTI TCR zur Verfügung stellt, mit dem sie und ihr neuer Teamkollege Loris Prattes am 13. Juli beim vierten Lauf der VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring ihr erfolgreiches Debüt feiern konnte – auf Augenhöhe mit Rennsportprofi Benny Leuchter und Nordschleifen-Ass Andy Gülden. Auf Anhieb erzielte sie im Tandem mit Loris Prattes einen phänomenalen zweiten Platz.

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