Zum 70. Geburtstag: Mit der Bullikarawane durch die Schweiz | Volkswagen Blog

Zum 70. Geburtstag: Mit der Bullikarawane durch die Schweiz

Sep 10, 2020 | Driving Experience

70 Jahre Bulli in der Schweiz! Gefeiert haben wir mit neun historischen Bullis auf 450 Kilometern quer durch unser schönes Land. Die Jubiläumsfahrt erzählt vom begeisterten Bulli-Fahrer Martin.

Die Karawane rollt los

Birrfeld, am 25. August am Morgen um Halbacht. Sieben historische und drei aktuelle Bullis haben sich auf dem Parkplatz des AMAG Logistikzentrums eingefunden. Noch sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer etwas scheu aus ihren Bussen tretende «Einzelmasken», die Begrüssung ist aber freundlich. Uns Organisatoren freut es sehr, dass wir mit drei Frauen die Realität recht gut abbilden dürfen: auffallend viele VW Busse befinden sich in Frauenhand. Ein kurzes Briefing und die Verabschiedung durch den VW-Nutzfahrzeuge Brand Director Rico Christoffel und die Karawane setzt sich in Bewegung.

Die alten voraus, die neuen hinterher. Die Gruppe von vorerst elf Fahrzeugen ist relativ leicht zu überschauen. Es geht Richtung Mittelland, quer über das Seetal ins Luzerner Hinterland und an den Fuss des Napf. Die Fahrt über die Ausläufer des markanten Gipfels bieten eine einmalige Aussicht. Bemerkenswert: die bis zu 64 Jahre alten Veteranen schaffen es problemlos mitzuhalten. Auf der Lüderenalp gibt es einen ersten Zwischenhalt. Die Stimmung ist entspannt, die bunte Reihe der Bullis lockt einige neugierigen Passanten.

Z’Alp

Nach der Überquerung des Schallenbergs und einer Extraschlaufe, die uns weit ins Eritztal führt und der Durchquerung Thuns, fahren wir das Simmental hoch. Die Kolonne schnurrt durch kleine Ortschaften und fährt zwar gemütlich, aber durchaus flott durch die Gegend. In Oberwil im Simmental biegt die Karawane scharf rechts ab, den Berg hoch. Steil steigt die Strasse an, der Asphalt wird von Schotter abgelöst. Wir fahren auf die Morgetenalp, enge Spitzkehren und ungesicherte Abgründe säumen den Weg. Die Busse nehmen die Strapazen ohne Murren, erstaunlich was diese Oldtimer zu leisten imstande sind, obwohl der stärkste der historischen Busse kaum 70 PS leistet.

Nicht minder bemerkenswert ist die Wendigkeit der neuen California, auch sie schaffen es in einem Zug um die engen Kurven, ja selbst der Grand California, das Schlussfahrzeug, schafft es ohne Komplikationen den Pfad zu bezwingen. Vor der Bergwirtschaft und der Alpkäserei der Morgetenalp bezieht die Bullikarawane ihr erstes Nachtlager. Alex und seine Partnerin Dominique sind bereits angekommen, die Berneroberländer haben die direkte Route gewählt. Und Sarah wird die Karawane nach ihrem Feierabend noch einholen. Respekt, nicht jeder(r) wäre diese Strasse alleine gefolgt, aber Sarah ist eine sehr versierte Bullifahrerin, wie sich später noch weisen würde.

Gut gegessen, wartete ein zum Jaccuzzi umfunktioniertes Chääschessi auf die Karawanisti, man munkelt, einige seien erst spät nach Mitternacht daraus wieder herausgestiegen. Die Sternennacht bot eine für Städter kaum zu beobachtende Fülle – traumhaft.

Nicht zu viel und nicht zu wenig

Die Karawane ist bereits etwas zusammen gewachsen. Vom Vortag, bei einigen wohl eher vom Abendprogramm noch etwas erschöpft, streckt diese oder jener den Kopf aus der Schiebe- oder Klapptür seines Bullis, die Hühner gackern und sogar Hasen hoppeln um die Bullis. Frieda, der kleine Langhaardackel und Copilotin von Sarah, hat bereits die Alp erschnüffelt und auch die letzten Chessi-Badenden des Vorabends weilen bald wieder unter den erweckten. Zeit für den Abstieg, eine amüsant zu beobachtende, bunte Perlenkette, die sich da den Hang herunterschlängelt. Die Faustregel, im gleichen Gang runter wie hoch, haben sich die noch mit Trommelbremsen gerüsteten Klassikfahrerinnen und Fahrer zu Herzen genommen.

Ziemlich direkt fahren wir vom Simmentaler Talboden via Autostrasse nach Interlaken, wechseln an das Nordufer des Brienzersees und erreichen Meiringen, Inntertkirchen und fahren weiter Richtung Grimsel. Beats und Nadines orange-weisser T2 Westfalia zeigt bergauf deutlichen Leistungsmangel. Oft quält sich der 1970er-Jahre Campingbus nur im ersten Gang den Pass hoch. Angekommen tun sie aber alle und meistern auch das nur in einem schmalen Zeitfenster von stündlich zehn Minuten zu befahrende Stück bis zum Restaurant Oberaar am entsprechenden Stausee, einige Kilometer von der Passhöhe in einem Seitental gelegen. Die Aussicht auf See und Gletscher ist atemberaubend. Bergab gilt es die Bremsen zu schonen.

Dennoch, durch den Wechsel der Beläge an meinem elfenbeinfarbenen T1 Ambulanz sind die Stopper nicht nur deutlich von Fading befallen, sondern riechen in Gletsch angekommen entsprechend streng. Kleine Gänge helfen dem Porblem auf dem weiteren Stück bis Oberwald am Eingang zum Goms ab. Zeit ist sowieso kein essentieller Faktor, ankommen ist wichtiger, oder zumindest nicht dem Postauto im Weg stehen. denn dieses kann von Binn her kommend nicht kreuzen – unser Ziel für die zweite Übernachtung. Nachdem alle reibungslos vor das Tunnelportal gelangen, vibriert die rund 1.5 Kilometer lange, schnurgerade, spärlich beleuchtete Röhre des Tunnels ins Binntal bald unter dem Bollern von mittlerweile 9 luftgekühlten Boxermotoren. Bea hat uns am Brienzersee gefunden und sich ab Tag zwei der Bullikarawane angeschlossen, ihr rot-grauer T1 ist eine Augenweide.

Frag die Expertin

Camping im Binntal, das heisst Dusche, Zeit sich etwas frisch zu machen, oder auch die Autos auf Vordermann zu bringen. Sarahs grosse Stunde naht, und der Beweis, dass es in der VW-Szene keine Genderfragen ohne entsprechende Antworten mehr gibt. Kurzerhand meine Prüflampe gegriffen und das eigene Werkzeug hervorgeholt, stellt die T2-Fahrerin ihren Kollegen Beat und Martina mit dem schwächelnden orangen T2 Westfalia die Zündung korrekt ein. Doch nicht nur dies ist bezeichnend, die Frauen rocken das Geschehen, setzen den Auftakt zu einem langen Tisch, zusammengesetzt aus allen Campingtischchen und laden in ihre kleine Wagenburg, die vielen sich selbst auf Instagram inszenierenden #vanlifern die Tränen in die Augen treiben müsste. Hier ist alles echt, der Style, die Leidenschaft im Bus zu leben und damit die Welt zu entdecken. Und es ist bereits zu erkennen, da wächst ein eingeschworener Haufen heran, eine Truppe, die sich mehr zu sagen hat als den üblichen Smalltalk. Gut, vielleicht half dazu auch der exzellente Säntis Malt Whisky von Larrys und Martinas fantastisch eingebauter Bar aus Altholz in ihrem leicht geslammten T2 (was, was bitte? «To slamm» meint das Tieferlegen, in der VW-Szene durchaus gängige Praxis). Kurz, das Leben ist herrlich an diesem Abend

Der Tag der tausend Kurven

Der Simplon stehr am folgenden Tag auf dem Routenplan. Doch die internationale Fernverkehrsroute ist definitiv kein Vergnügen für die – schön formuliert – „moderat“ motorisierten Bullis alter Schule. Der California T6.1 hingegen bügelt die Steigungen weg wie nichts, als Multifunktionales Freizeit- und Familienauto steht er nicht nur hier einem PW in kaum etwas nach. Doch für die Klassik-«Bande» haben Co-Organisator Claude Schaub und ich uns eine ruhigere Route ausgesucht: auf den noch zu befahrenden alten Teilen der Passtrasse im unteren Teil, und auf einem recht abenteuerlichen Kiesweg im mittleren Teil.

Nein, kein Fahrverbot stellt sich einem hier in den Weg, und bei genauer Überlegung wird dies wohl auch der einzige Weg sein, um mit dem Traktor nach Simplon oder Gondo gelangen zu können. Die Hauptstrasse ist ja eine Nationalstrasse. Es gibt viel zum Kurbeln am Lenkrad, doch es soll bis zum Mittagessen noch kein Ende haben. Zwischbergen wird seinem Namen gerecht, kein Dorf im eigentlichen Sinne, sondern eine Talschaft, quetscht sich dieses zwischen die Südflanke des Simplon und der Grenze zu Italien. Erreicht wird es über eine kurvenreiche, enge Strasse, die von unseren Bullis, wen wundert’s, ebenso souverän gemeister wird.

Und das Tolle, wie an vielen Orten in der Schweiz: am Ende wartet ein Restaurant, genauso wie hier in Zwischbergen, mit einem Bergbächlein als akustischen Beruhigungsfaktor – unbekannte, faszinierende Schweiz.
Nach einem langen, recht flotten Abstieg auf der Schnellstrasse folgen die tausend Kurven der hundert Täler des Centovalli, selten so gekurbelt, die heimkehrenden Grenzgänger fliegen einem zuweilen buchstäblich entgegen auf der Gegenspur. Mit einem «Schwumm» in der Maggia, sogar das Hündchen Friedali wagt sich auf Jessicas Stand-Up-Board, mit Pizza und etwas Zeit sich zu erholen endet der Tag bei guten Gesprächen in der Wagenburg. Wo ein Stuhl steht, sitzt spätestens seit heute Abend ein Freund oder eine Freundin…

Optimisten haben Recht

Wetterwarnung! Schon am Vorabend warnte der Bund vor starken Regenfällen, das Epizentrum soll im San Bernardino-Gebiet liegen, genau auf unserer Route ins Schamsertal. Was tun? Regen hin- oder her. Die neuen T6.1 Camper und der Grand California fahren durch den Tunnel nachhause, die «Oldies» über den Pass dem nächsten Abenteuer entgegen. Die Scheibenwischerchen machen ihre Arbeit ordentlich, die Bullis hatten bis jetzt generell wenig Mühe. Kühles Wetter ist ideal, und so erblickt die Karawane auf der Passhöhe alsbald – nichts! In Nebel gehüllt, will der See nicht zum Vorschein kommen. Was solls, in Andeer wartet der Camping, vorsorglich nach Absage des Muntogna Bulli Meet reserviert.

Der letzte Abend schweisst die Karawane vollends zusammen. Unter der grossen Plache, bei Kaffee und anderem, mit einem Kuchen, von Sarah frisch gebacken, wird es unter dem Trommeln des Regens richtig gemütlich. Und das eigene Bett wartet bereits, wenige Schritte entfernt. Was für ein Abenteuer! Und es ist sehr sehr wahrscheinlich, dass Bea, Jessica, Sarah, Larry, Martina, Rolf, Alex, Dominique, Beat, Nadine, Claude und ich demnächst wieder unterwegs sein werden – mit dem Bus, zusammen. Nein, der VW Bus ist kein Auto, er ist ein Geschenk, eine Chance, das Vehikel zu sich selber und anderen zu finden. Der Bulli transportiert definitiv mehr als Menschen und Güter. Die Bullikarawane hat seine 70 Jahre gebührend gefeiert. Alles Gute!

Martin Sigrist, begeisterter Bullifahrer.

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